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Musikantendorf Hundeshagen

Ein Heimatfest im August 1921 in Hundeshagen

entnommen aus den Aufzeichnungen von Hauptlehrer Franz Bley aus dem Jahre 1921 zusammengestellt und überarbeitet vom Ortschronisten Gerhard Trunkhan

Der Verein für "Eichsfeldische Heimatkunde" hielt in jedem Jahr seine Versammlungen an einem anderen Orte ab.
Hundeshagen hielt man wegen seiner sehr schönen Lage, an der Grenze des Obereichsfeldes  zum Untereichsfelde für eine solche Veranstaltungen als besonders günstig und so wurde im Jahre 1921 Hundeshagen Austragungsort von Versammlungen des Vereins. An diesen Versammlungen hatten bisher nur die Vereinsmitglieder teilgenommen.
Der Seminaroberlehrer August Apel hatte jedoch Tage zuvor in den Zeitungen eine rege Propaganda für die Veranstaltungen betrieben und hatte Volkstänze etc. in Aussicht gestellt. Diese Werbung merkte man dann am Festtage in Hundeshagen sehr zu spüren. Auf allen Straßen kamen Männlein und Weiblein zu Fuß, per Rad, per Wagen nach Hundeshagen um recht viel zu sehen und zu hören.
Der Vortrag des Tages "Geschichtliches aus der Vorzeit von Hundeshagen" sollte auf Vorschlag von Dr. Jaeger, Gymnasialdirektor in Duderstadt, von mir (Hauptlehrer Franz Bley) gehalten werden.

Franz Bley schreibt :

"Ich habe bis heute - 1945 - noch keine geschichtlichen Quellen in die Finger bekommen - eine Chronik ist nicht da. Ich musste ablehnen und lenkte die Aufmerksamkeit auf den Pater Hermann Schwedhelm der schon jahrzehnte lang an der Chronik von Hundeshagen arbeitet und übrigens war ich in den Sommerferien verreist und nicht am Orte ".
Trotz der Werbung für die Veranstaltung waren im Ort leider keine Vorbereitungen getroffen. Die vorhandenen Säle waren unmodern und zu klein, der Egertsche bestand noch nicht. Es war kein Saal groß genug um die gekommenen Gäste aufzunehmen. In der damaligen Zeitung "Eichsfeldia" ist über dieses Fest zu lesen : "Ein Heimatfest in Hundeshagen wurde gestern vom Verein für eichsfeldische Heimatkunde abgehalten. Wenn je zu dieser Veranstaltung ein Ort besonders geeignet war, so war es das weltbekannte Musikantendorf Hundeshagen. Zwar wehte gestern Mittag eine frische Brise und trübe Regenwolken drohten ihr so sehnlich erwartetes Nass über die lechzende Erde auszugießen. Doch der Himmel hatte Einsehen und bescherte den Hunderten, welche aus Worbis, Dingelstädt, Heiligenstadt, Duderstadt und aus den Nachbarorten herbeigeeilt waren, lachenden Sonnenschein. Auf Schusters Rappen, zu Fuß oder per Auto waren zu hellen Haufen Männlein und Weiblein, Jung und Alt erschienen, so dass sich der Saal der Sassenberg Wirtschaft für diese Massen als viel zu klein erwies, obwohl die rührigen Wirtsleute sich große Mühe gaben ihre Gäste nach ihren Möglichkeiten zu versorgen.
Die meisten der Besucher, die anfänglich mit ihrer Kritik nicht zurück hielten über die mangelhafte Vorbereitung der Tagung, welche auf so einen Massenbesuch nicht eingestellt war, fanden sich schließlich mit dem ab wie es war und vergnügten sich in den übrigen Gaststätten des gastlichen Hundeshagen oder in Gottes freier Natur.
Den Reigen im Sassenbergs Saale eröffnete mit flotter Konzertmusik eine Musikkapelle. Alsdann begrüßte der Vorsitzende des Eichfelder Heimatkundevereins, Herr Studienrat Dr. Müller aus Heiligenstadt die Anwesenden. Die Vorbereitung der Tagung, so führte er aus, sei von Duderstadt aus erfolgt. Man konnte von dort aus eine solche große Beteiligung nicht voraussehen. Es sei daher entschuldbar, dass die gewählten Räume sich als zu klein erwiesen.
Nach der Begrüßungsansprache von Dr. Müller hielt Pater Schwedhelm von Sankt Ludwig, gebürtigt aus Hundeshagen, einen längeren Vortrag über die Ortsgeschichte von Hundeshagen. Dieser Vortrag fand dann vor einem anderen Zuhörerkreis im Saale der Gemeindeschenke eine nochmalige Wiederholung. Umrahmt war diese Vorlesung von Gesängen von Schulkindern aus Silberhausen. Lebhaftes Treiben entwickelte sich gegen Abend auf der Wiese von Sassenbergs, wo Herr Paul Keseling aus Duderstadt über den berühmten Pfarrer Raabe sprach (ich berichte in den nächsten Ausgaben darüber ). Wenn man die alten Eichsfelder Trachten, die sich hier und da zeigten mit der neueren und moderneren Kleidung der Modedamen vergleicht, dann muss man unwillkürlich die gute, alte Zeit loben. Alles in allem war die große Menge  der Teilnehmer mit dem Fest sehr zufrieden. Der Eichsfelder Heimatverein hatte wieder neue Freunde im Musikantendorf Hundeshagen gefunden "