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Musikantendorf Hundeshagen

" Es läutet vor der Gemeinde "

aus den Aufzeichnungen von Hauptlehrer Franz Bley aus dem Jahre 1944
zusammengestellt vom Ortschronisten Gerhard Trunkhan

Es war in Hundeshagen üblich, dass amtliche Bekanntmachungen durch die Ortschelle den Dorfeinwohnern zur Kenntnis gebracht wurden. Der Dorfdiener, war erkennbar an seiner Dienstmütze, ging durch das ganze Dorf, an feste Standplätze, um seine amtlichen Bekanntmachungen den Einwohner zu überbringen. In der einen Hand trug er seine Bekanntmachungen in der anderen trug er die Schelle. Die Fenster öffneten sich, vorrübergehende blieben stehen um zu hören, was der Gemeindediener zu vermelden hatte. Kam ein Fuhrwerk, so musste es halten, dass laute Spiel der Kinder auf der Straße verstummte und alle war per Ohr. Nach dem Verhallen des letzten Tones aus der Schelle erfolgte die Bekanntmachung. Je nach der Art des Inhaltes und der Bedeutung wurden von den Nachbarn und den vorrübergehenden Erläuterungen angeknüpft. Außer amtliche Bekanntmachungen wurden auch hin und wieder Privatdinge durch die Schelle bekannt gemacht. Da verbietet der eine das Betreten seines Grundstückes bei gesetzlicher Strafe, der andere bringt sich als Geschäftsmann in empfehlende Erinnerung.
Es ist hier nicht möglich alle Dinge aufzuschreiben, die durch die Ortschelle bekannt gemacht wurden.
Doch eins muss erwähnt werden, weil es Ortstypisch für Hundeshagen ist.

Ganz besonders im Winter, wenn die Musiker zuhause waren, konnte man hin und wieder hören, die Beleidigung gegen X nehme ich hiermit zurück. Wer es bis dahin nicht wusste, der erfuhr es auf diese Weise, um was es sich handelte.

Um 1900 kannte man noch eine andere Art der Bekanntmachung. Die erfolgte nur Sonntags im Anschluss an den Hauptgottesdienst. Es wurde, wenn sich die Kirche zu leeren begann, kurz mit der kleinen Glocke geläutet. Jeder wusste, was es geschellt hatte und wartete in der Nähe des Glockenhauses auf den Gemeindediener. Dieser blieb auf der Anhöhe stehen und gab dann von hier seine Bekanntmachungen durch. Hatte der Gemeindediener seine Bekanntmachungen schriftlich vor sich, so mochte die Sache noch gehen. Handelte der Ausrufer aber nach mündlicher Anweisung, so war manchmal recht spaßig. Ein Rüdigershagener Schweinetreiber hatte sein Kommen angesagt; die Bekanntmachung soll geheißen haben "Es sind morgen billige Schweinstreiber verkäuflich" oder "Alle Leute die Hunde haben, die müssen Maulkörbe haben", " Der Dreck der auf der Straße liegt muss weg; sonst legt sich der  Schulze dazwischen".
In Dörfern, die einen Anger hatten, da versammelte sich die Gemeinde nach dem Läuten auf dem Anger. Verhandlung betreffend die Wahl und Dienstobliegenheiten eines hiesigen Dorfdieners(aufgenommen am 27. Februar 1844)
Nach Unzulänglichkeiten mit dem damaligen Gemeindediener sah sich das hiesige Dorfgericht genötigt, zur Wahl eines anderen Dorfdieners zu schreiten, wobei folgendes festgelegt wurde:

                             § 1

Der Dorfdiener wird gewählt auf Kündigung, welche nach ermessen des Dorfgerichtes erfolgen kann und wird, sobald er sich einer Dienstvernachlässigung schuldig macht.

                             § 2

Derselbe hat sich Tag Morgens um 6 Uhr und Mittags um 12 Uhr und außerdem auf Verlangen zu jeder beliebigen Zeit beim Ortsschulzen einzufinden und dessen Aufträge zur sofortigen Vollziehung entgegen zu nehmen.

                             § 3

Insbesondere ist der Dorfdiener verpflichtet, die Betreibung aller Königlichen und Gemeindegelder, sofern solche von Innewohnenden gezahlt werden müssen, als Kreis-Deficits, rückständige Schul- und Holzgelder, Forst-, Polizei- und Strafgelder durch einmalige Anmahnung der Zahlungspflichtigen zu unterstützen und zwar unentgeltlich. Zur Ableistung aller infolge gerichtlicher Verurteilung, Forststrafarbeiten oder auf grund der Einwohnerschaft zu leistenden Arbeiten und Frondienste muss er ebenfalls einladen und requirieren.

                               § 4

Allen durch Wohllöbliches Landratsamt, durch Wohllöbliches Land- und Stadtgericht, durch den Ortsschulzen oder durch irgend was für einen Königlichen Beamten veranlassten resp. in hiesiger Gemeinde zu vollziehenden Kontrollierungen, Besichtigungen, Revisionen, sie mögen heißen wie wollen, muss der Dorfdiener nach ergangener Aufforderung sofort ohne Säumen und unentgeltlich beiwohnen.

                                 § 5

Auch bei stattfindenden Gemeindekulturen, beim Bearbeiten der Baumschulen und Wegebesserungen muss derselbe unentgeltlich leitend und beaufsichtigend zugegen sein somit er jede Beschädigung der angepflanzten Obst- und Forstbäume und jede bei Kulturen und Gemeindebesserungen befundene Unordnung, Nachlässigkeit und Widersetzlichkeit dem Ortsvorstande zur Anzeige zu bringen hat.

                                 § 6

Endlich hat der Dorfdiener den Schulbesuch hierselbst zu unterstützen, einerseits dadurch, dass er bei geschehenen Versäumnissen die Elternschaft der Schüler zur Verwarnung, zur Bestrafung vorladet, andererseits besonders auch dadurch, dass er auf Verlangen des Schullehrers die fehlenden Kinder aus dem Hause der Eltern zur Schule holt und zur Schule transportiert. Bei Beschädigungen der Obstbäume, bei Tanzbelustigungen oder bei Straßenunruhen betroffene schulpflichtige Kinder hat er ebenfalls dem Schullehrer zur Bestrafung vorzuführen. Alles dieses geschieht unentgeltlich.

                               § 7

Vollzieht der Dorfdiener Privatanmahnungen oder Bestellungen so müssen diese von den Betreffenden in jedem einzelnen Fall mit einem Silbergroschen bezahlt werden. Zu den in § 3 aufgeführten Verpflichtungen gehört noch die einmalige unentgeltliche Anmahnung derjenigen Auswärtigen, welche ihre in der hiesigen Feldflur gelegenen Grundstücke zu Grundsteuer und Deficitszahlungen verpflichtet sind.

                               § 8

Bei stattgefundenen Dienstvernachlässigungen tritt im Wiederholungsfalle eine Ordnungsstrafe von 5 bis 10 Silbergroschen ein, welche an die hiesige Gemeindekasse zu zahlen ist.

                               § 9

Die moralische Führung des Dorfdieners in und außer dem Dienste muss unbescholten sein. Am allerwenigsten darf sich derselbe dem Trunke ergeben. Wird ihm letzteres nachgewiesen, so tritt sofort Entfernung aus dem Amte ein.

                               § 10

Die Dienstkleidung des Dorfdieners besteht in einem Rocke mit rotem Stehkragen, den er sich selbst beschaffen muss. Schild uns Seitengewehr und Koppel wird ihm von der Gemeinde geliefert und muss er dieselben, bei selbstverschuldeten Abhandenkommen aus eigenen Kosten neu beschaffen.

Hundeshagen, den 27.2.1844                 Der Schulze Hüther

Schöppen :             W.Borchardt, Sauer,

Dorfgerichtsschreiber : Wehenkel

                                       Hundeshagen, den 27.02.1844

An heutigen Tage wählte das Dorfgericht den hiesigen Einwohner und Musikanten Jakob Dette zum hiesigen Dorfdiener und bewilligte ihm ein jährliches Honorar von 16 Thalern, welche derselbe all monatlich aus der hiesigen Gemeindekasse gegen Quittung beziehen kann. Sollten durch die Vereidigung des Herrn Dette Kosten entstehen, so behält sich derselbe vor, dass solche von der Gemeinde bezahlt werden. Nachdem Herrn Dette sowohl vorgeheftete Verhandlung als die diesseitige Wahlverhandlung langsam vorgelesen und erläutert worden war, übernahm derselbe die hiesige Dorfdienerstelle mit dem Versprechen, allen in der vorgehefteten Verhandlung festgestellten Dienstobliegenheiten und Vorschriften pünktlich nachzukommen. Der Antritte seiner Dienstzeit wird hiermit auf den 1.März 1844 festgesetzt.

gez. Jakob Dette

Gemeinde Hundeshagen               Der Schulze Hüther

Die Schöppen :                     Sauer, Borchartdt

Dorfgerichtsschreiber:             Wehenkel

Gesehen  und mit Bezug auf die Verfügung vom heutigen Tage Nr.1442

genehmigt.

Das Königliche Landratsamt       Haynrode, den 25.März 1844

In Vertretung              Der Kreisdeputierte v. Westernhagen

Gemeindediener vom Namen her in Hundeshagen

Soweit aus alten Akten zu ersehen ist, waren seit 1844 folgende Gemeindediener im Amt:

1.   Jakob Dette von 01.03 1844 Honorar 16 Thaler
2.   Jakob Dette geht wieder auf Reisen als Musiker. An seine Stelle tritt Andreas Windolph ab 01.03.1846. Er war 26 Jahre alt und Sohn der Witwe Margarethe Windolph. Er ist Schuhflicker und schreibkundig und erhält 12 Thaler.
3.   Ab 01.05.1851 wird Wilhelm Borchhardt (50 Jahre) Gemeindediener. Er ist im Gemeinderat(Schöppe) und erhält 12 Thaler. Ab 1863 erhält er 18 Thaler.
4. 20.11.1878 Der Gemeindediener wird von nun an auf 6 Jahre gewählt. Es hatten sich gemeldet: Karl Höch, Karl Humburg, Andreas Jünemann und Heinrich Ringleb. Es waren 41 stimmberechtigte Dorfmitglieder anwesend von denen Karl Höch gewählt wurde. Er erhielt 78 Mark. Er wird auch noch Gemeindenachtwächter erhält 138 Thaler. Von nun an sind die Gemeindediener auch gleichzeitig Nachtwächter in unserer Gemeinde(darüber schreibe ich in Ausgabe 10/96).
5. 17.12.1884 ist wieder Wahl. Es stehen zur Wahl Josef Nolte und Karl Humburg. Josef Nolte erhielt die meisten Stimmen lehnte aber die Wahl wegen des zu niedrigen Gehaltes ab. Darauf wurde Karl Humburg zu Gemeindediener bestimmt.
6. Von 1889 bis 1893 ist Heinrich Siebert Gemeindediener. Er trat eher zurück als seine Wahlperiode dauerte.
7. Es kommt dafür der Schuhmacher Josef Grundmann .
8. Ab 01.01.1894 ist Josef Wickert Gemeindediener.
9. Ab 01.04.1895 ist Josef Credo Gemeindediener.
10. 1911 ist Nikolaus Aschoff  Gemeindediener. Er verstarb noch im selben Jahr.
11. 01.10.1911 bis 01.10.1922 ist Hermann Sternheim Gemeindediener     12. 01.10.1922 bis 01.03.1923 sein Bruder der Glasermeister, Jakob Sternheim , der neu zugezogen war. Seine Amtzeit fiel in in die Zeit der Inflation und erhält 12.000,00 Mark. Er war auch gleichzeitig Lichtgelderheber.
13. Ab 01.03.1923 wird Schuhmacher Johannes Borchardt auf unbestimmte Zeit, wegen der unsicheren Finanzen gewählt. Er erhält pro Jahr 7 Zentner Roggen zahlbar nach Berliner Börsenpreisen.
14. Am 01.10.1925 wird der Musiker Johannes Reupert Gemeindediener und erhält 720 Mark. Von den nachfolgen Gemeindedienern ist sehr wenig in den Unterlagen zu finden. Der Reihenfolge nach könnten die Gemeindediener wie folgt gewesen sein:
15. Dietrich Grieß
16. Josef Kruse
17. Heinrich Biermann  von 1936 bis 01.02.1939
18. Ihm folgte wieder Josef Kruse
19. Albin Aschoff .Er war der Sohn des ehemaligen Gemeindedieners Nikolaus Aschoff vom 01.07.1945 bis 01.09.1946
20. Franz Silkenbäumer vom 01.09.1946 bis 29.09.1948. Lange Zeit war nach dem Zusammenbruch kein Gemeindediener in Hundeshagen. Es kamen dann nochmals als Gemeindediener (an die ich mich noch gut erinnern kann)     21. Andreas Müller       bis ca. 1958
22. Oswald Gerbig